"Wir müssen langfristig denken"
Die zweite Säule soll es im Alter möglich machen, die gewohnte Lebenshaltung fortzusetzen. "Es lohnt sich, bei der Pensionskasse genau hinzuschauen", sagt Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein.
(Interview im Wirtschaft Regional, 19. Oktober 2013)
Herr Matt, die einen sprechen vom Rentenklau, andere fürchten die Babyboomer-Generation, die sich dem Rentenalter nähert. Wie beurteilen Sie dies?
Bruno Matt: Ich halte die Diskussion über die Demografie für berechtigt. Zugleich lohnt es sich für Unternehmen wie für jeden Einzelnen, genau hinzuschauen: Wo steht meine Pensionskasse in punkto Zins, Umwandlungssatz, Verwaltungskosten und Rendite der Vermögensanlagen. Der Vorsorge-Ausweis ist eine erste Informationsquelle. Jederzeit kann man bei der Geschäftsstelle der Pensionskasse nachfragen: Was kann ich tun, um meine spätere Rente zu erhöhen?
Und wie lautet Ihre Antwort?
Wir motivieren jeden, sich über den Stand seiner gesetzlichen, beruflichen und privaten Altersvorsorgeansprüche rechtzeitig zu informieren. Auch ab Mitte 40 ist noch ein guter Zeitpunkt, um eventuelle Lücken in der zweiten Säule aufzufüllen oder auch eine private dritte Säule auf- oder auszubauen. Nicht selten regen wir dazu ein Gespräch mit unseren Finanzplanern an. Im Idealfall hat sich jemand bis Alter 64 einen Kapitalstock aufgebaut, der ihn noch mindestens 20 Jahre, solange ist heute die durchschnittliche Lebenserwartung eines 64 Jährigen, vernünftig leben lässt.
Wenn jemand nicht mit der Pensionskasse einverstanden ist, kann er sein Geld aber nicht einfach nehmen und es zu einer anderen Kasse tragen.
Grundlage für Pensionskassen sind kollektive Verträge. Bei einer Pensionskasse ist jeder einzelne Mitarbeiter dem Kollektiv seines Arbeitgebers zugeordnet. Wechseln kann nur der Arbeitgeber, was aber für ein KMU gar nicht so aufwendig ist. Es kann sich für Unternehmen durchaus lohnen, das Preis-/Leistungsverhältnis verschiedener Anbieter zu vergleichen.
Welche Vorteile und Nachteile hat das Kapitaldeckungsverfahren, in dem die zweite Säule finanziert wird?
Die Pensionskasse legt für jeden Versicherten die eingezahlten Beiträge auf einem virtuellen Sparkonto an. Dies ist der Kapitalstock, durch den die Auszahlungen im Rentenalter gedeckt sind. Der Versicherte spart für sich selbst und erhält am Ende die angesparte Summe inklusive Zinsen und anderen Erträgen ausbezahlt. In Form einer Rente oder als Alterskapital. Wie viel der Versicherte später an Rente erhält, hängt damit auch von der Verzinsung der Beiträge und der Kapitalmarktentwicklung ab.
Die Versicherten sollten sich also um ihre betriebliche Altersvorsorge kümmern?
Besser noch: Sie haben die Möglichkeit, bis zu einem gewissen Grad die Dinge selbst zu gestalten. Der Versicherte kann Einmalzahlungen an die betriebliche Pensionskasse leisten und/oder freiwillig eine höhere Prämie zahlen. Das moderne liechtensteinische Steuergesetz sieht vor, dass einmalige Beiträge und Prämien in vollem Umfang vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können. Zugleich darf sich der Versicherte bis zur Höhe eines Jahressalärs einkaufen. Dies ist möglich bis zu drei Jahren vor der Pensionierung.
Unisono wird darauf verwiesen, dass die höhere Lebenserwartung und die tiefen Renditen auf Finanzanlagen dazu führen, dass die Rentner heute auf Kosten der Jungen leben…
…was das Beitragsprimat anbelangt, kann ich diese Aussage nur bedingt bestätigen. Die Höhe der Altersrente berechnet sich auf der Basis des vorhandenen Kapitals, das Versicherter und sein Arbeitgeber angespart haben. Einzig der technische Zins, den die Pensionskasse im Beitragsprimat festlegt, ist ein solidarisches Element zwischen aktiven Versicherten und Rentenbezügern. Er drückt die zukünftige Renditeerwartung aus, mit der wir langfristig rechnen. Je tiefer der Satz ist, desto unabhängiger sind wir von den Launen des Kapitalmarktes. "Ein Grossteil der Versicherten will Sicherheit"
Welche Folgen hat dies?
Eine Pensionskasse muss langfristig planen und vorausschauend handeln. Und wir müssen dabei sowohl für die bestehenden als auch für die künftigen Renten die richtigen technischen Grundlagen anwenden. Das System funktioniert nur dann, wenn die Eckpunkte realistisch gesetzt und immer wieder an die veränderte demografische und wirtschaftliche Situation angepasst werden. Da sind die liechtensteinischen Pensionskassen flexibler als diejenigen in der Schweiz. Hier können wir den Rentenumwandlungssatz und den Zinssatz für die Verzinsung der Altersguthaben selbst festlegen.
Was heisst dies für die LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein?
Zum einen haben wir den technischen Zinssatz angesichts der schwachen Renditeprognosen für 2012 bereits auf 3,5 Prozent und für 2013 weiter auf 3,25 Prozent gesenkt. Für die Versicherten hat dies soweit keine Konsequenzen. Mit dem technischen Zins direkt verbunden ist aber der Rentenumwandlungssatz. Durch die Anpassung des technischen Zins kommt dieser weiter unter Druck. Die LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein wandelt die Altersguthaben bei Pensionierung 2013 noch mit einem Satz von sieben Prozent in eine Rente um. Ein Umwandlungssatz von sieben Prozent bedeutet, dass auf ein Vorsorgekapital von 100 000 Franken eine lebenslängliche Altersrente von 7000 Franken pro Jahr gezahlt wird. Werden die Menschen aber älter, muss ihr Vorsorgekapital für die Zahlung der Rente länger ausreichen. Vorausschauend wird darum ab 2015 der Umwandlungssatz bei uns bei 6,8 Prozent liegen. Und es ist davon auszugehen, dass wir weitere Reduktionen ab 2015 vornehmen. Unser Stiftungsrat wird in Kürze über die nötigen Anpassungen entscheiden. Eins möchte ich betonen: Ein versicherungstechnisch korrekter Umwandlungssatz liegt im Interesse aller Versicherten.
Was erwarten Sie für das laufende Jahr?
Aus Sicht der Vermögensanlagen gehe ich nicht davon aus, dass wir an das Vorjahr anknüpfen können. 2012 haben wir mit einer Performance von 7,3 Prozent abgeschlossen. In diesem Jahr stehen wir aktuell bei rund 3 Prozent. Grundsätzlich ist unser oberstes Ziel ein ausgewogenes Rendite- und Sicherheitsprofil der Vermögensanlagen. Dies erreichen wir vor allem durch eine sehr breite Diversifikation. Dennoch ist dieser Spagat im aktuellen Umfeld nicht einfach und führt dazu, dass der Grossteil des Kapitals in festverzinslichen Wertpapieren wie Obligationen investiert werden muss. Nur leider glänzte diese Anlagekategorie in den letzten Jahren auch nicht mit den benötigten Renditen. Insgesamt sind wir mit dem laufenden Jahr jedoch zufrieden. Wir konnten das Volumen wie in den letzten Jahre steigern.
Inwiefern betrifft Sie die Debatte um die staatliche Pensionskasse?
Die Diskussion um die künftige Ausrichtung der Personalvorsorgeeinrichtung des Landes (PVS) hat uns stark beschäftigt. Von den Unternehmen, die einen Ausstieg aus der PVS in Erwägung gezogen haben, sind wir eingeladen worden, ein Angebot zu unterbreiten. Mittlerweile hat sich Triesen entschieden, sich per 1. Januar 2014 uns anzuschliessen. Im Oberland haben sich fast alle Gemeindeverwaltungen unserer Stiftung angeschlossen.
Pensionskassen dürfen wie Lebensversicherer nur einen kleinen Anteil ihres Vermögens in volatilere Anlagen wie Aktien stecken. Die LLB Vorsorgestiftung bietet ihren Mitgliedern als eine der wenigen Pensionskassen zwei Anlagestrategien an.
Wir sind die einzige Pensionskasse in Liechtenstein, die unsere Kunden zwischen einer konservativen und einer dynamischen Anlagestrategie wählen lassen. Interessant aber ist: Obwohl die Medien ab und an über «Superrenditen» von Vorsorgewerken in anderen Ländern berichten, beobachten wir, dass 90 Prozent unserer Versicherten lieber möglichst sicher als möglichst renditeträchtig investieren wollen.
Was heisst dies für die Rendite?
Im Jahr 2012 haben auch wir – wie alle Pensionskassen in Liechtenstein und der Schweiz – von der positiven Entwicklung an den Börsen profitiert. Allein unsere Anlagestrategie «Konservativ » hat den CS-Pensionskassenindex – dieser lag bei 7,2 Prozent –mit einem Plus von 7,3 Prozent leicht übertroffen. Wer sich für die Strategie "Dynamisch" entschieden hat, konnte sich sogar über ein Plus von 8,5 Prozent freuen.
Nun noch eine Frage zu den Verwaltungskosten der LLB Vorsorgestiftung.
Wir erheben einen Pauschalbetrag von 240 Franken pro Versicherten und Jahr. Dies spricht für eine sehr effiziente Verwaltung. Die Kosten hängen damit nicht, wie etwa bei grossen Pensionskassen, von der Lohnsumme des angeschlossenen Betriebes ab. Das sorgt für Transparenz. Der Betrag ist bereits in die Risikoprämien eingerechnet, wird also nicht separat erhoben. Die LLB Vorsorgestiftung gibt es seit 2005, seitdem sind die Verwaltungskosten gleich geblieben.
Zur Person
Bruno Matt ist Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein. Als eidgenössisch diplomierter Pensionskassenleiter führt er die Geschäftsstelle der Sammelstiftung seit deren Gründung im Jahr 2005. Seit 2010 ist er Präsident des Liechtensteiner Pensionskassenverbandes, an dessen Gründung er aktiv mitgewirkt hat.